Schwarzspeicher: Du kannst dich nicht verstecken!

Es war schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal ein Buch – und dazu noch einen Roman – in der Hand hatte. Den überwiegenden Teil meiner Lektüre konsumiere ich online. Meist handelt es sich dabei um fachliche Literatur. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass eine Freundin mit Ihrer Buch-Empfehlung genau meinen Geschmack getroffen hat: Schwarzspeicher: Du kannst Dich nicht verstecken! (Affiliate-Link) von Tobias Radloff, erschienen 2012 im Spreeside Verlag.

Der studierte Informatiker und Philosoph Tobias Radloff schafft es den Leser zu fesseln. Schwarzspeicher ist ein packender Thriller über Deutschland in der nahen Zukunft. Die Digitalisierung ist weit vorangeschritten und hat die analoge Welt an vielen Stellen abgelöst. Pods, die Weiterentwicklung des Smartphones, sind allgegenwärtig. Jeder ist always on. Nach einem Terroranschlag in Berlin führen neue Gesetze zur Abschaffung jeglicher Privatsphäre. Alle Daten müssen fortan in der Cloud gespeichert werden und stehen unter Überwachung des Staates. Der Besitz von Offline-Speichern, so genannter Schwarzspeicher, steht ebenso unter Strafe wie die Verschlüsselung von Daten. Der Protagonist des Romans heißt Martin Effermeier, kurz Meph. Er gestaltet individuelle Designs für Pods und verfügt über eine große virtuelle Fan-Gemeinde, die er über einen Live-Stream nahezu ununterbrochen an seinem Leben teilhaben lässt. Durch Computer-Algorithmen gerät Meth ins Visier der Behörden und wird zum Gefährder erklärt. Am eigenen Leib bekommt er zu spüren, wie sich der vermeintliche Gewinn an Sicherheit durch eine absolute Informationskontrolle des Staates ins Gegenteil auswirkt. Während Meph dabei immer verzweifelter um seine Freiheit – und später auch um sein Leben – kämpft, kommt er einem großen Geheimnis immer näher.

Auch wenn schon 2012 erschienen, ist das Buch an Aktualität kaum zu übertreffen. Überwachungsprogramme wie Prism und Tempora sind reale Gegebenheiten, die Tobias Radloff in seinem Science-FIction-Roman beschreibt. Meph, der es sich zum Ziel gesetzt hat die Geheimnisse des Staates der Öffentlichkeit preiszugeben erinnert stark an Edward Snowden. Generell gehören viele Details in Schwarzspeicher gar nicht so sehr der Fiktion an, wie man zunächst glauben mag. In einem der ersten Kapitel des Buches wird Meph in einer Disco ein kleiner Chip als Eintrittskarte in den Arm implantiert. Im Baja Beach Club in Barcelona ist dies bereits seit 2008 gängige Praxis. Tobias Radloff’s Schwarzspeicher ist ein packender Thriller, der dazu anregt, die eigene Mediennutzung zu reflektieren. Darüber hinaus ist das Buch ein Anstoss zur Diskussion auf politischer Ebene, wie wir in Zukunft mit unseren Daten umgehen wollen.

Hier auch noch ein Interview mit Tobias Radloff zu seinem Buch Schwarzspeicher:

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    Comments (1)

    1. Uih, eine Buchempfehlung! Wahrscheinlich nicht so Dein Genre, aber „Super Sad True Love Story” geht auch in die Richtung „Weiterschreiben, was die Technik heute schon mit unseren Beziehungen anstellt”. Und ich kaufe noch ein „s” für die Überschrift!

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